Tödliches Zugunglück in Spanien: Suche nach möglichen weiteren Opfern dauert an
In Spanien ist nach dem schweren Zugunglück mit mindestens 68 Toten die Suche nach möglichen weiteren Opfern am Donnerstagvormittag fortgesetzt worden. Wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete, durchkämmten Rettungskräfte die Zugtrümmer. Bei dem Bergungseinsatz kamen auch Polizeidrohnen und riesige Kräne zum Einsatz. Auch in der Nacht war die Suche nach möglichen Opfern fortgesetzt worden.
Viele Menschen suchten noch nach Angehörigen, die mit den verunglückten Zügen unterwegs gewesen waren. "Es ist wichtig für die Angehörigen, dass sie ihre geliebten Menschen finden, auch wenn diese tot sind", sagte José Miguel Fernández, ein Pfarrer aus Urda, der die Opferangehörigen mit betreut, dem Sender Onda Cero. Schließlich verlaufe der Trauerprozess schneller, "wenn man in der Lage war, in diesem letzten Moment Abschied nehmen zu können".
Wegen des Unglücks nahe der Gemeinde begann am Donnerstag in Spanien eine dreitägige Staatstrauer. Auch die Flaggen vor dem EU-Parlament und der EU-Kommission in Brüssel wurden als Zeichen der Trauer und Solidarität auf Halbmast gesetzt.
Die Zugkollision hatte sich am Mittwochmorgen in der zentralspanischen Region Kastilien-La Mancha südlich von Madrid ereignet, als zwei Hochgeschwindigkeitszüge auf gerader Strecke kollidierten. Ein Zug der spanischen Staatsbahn Renfe mit 397 Passagieren an Bord prallte auf einen auf dem selben Gleis stehenden Zug des privaten Betreibers Iryo mit 147 Passagieren. Mehrere Waggons entgleisten und stürzten den Bahndamm herunter. Mindestens 68 Menschen kamen ums Leben, mehr als 100 weitere wurden verletzt.
Beide Züge waren auf dem Weg von Madrid in die andalusische Großstadt Sevilla. Die Unglücksstelle liegt rund 110 Kilometer Luftlinie südlich von Madrid. Als Ursache vermutet die spanische Regierung menschliches Versagen. Auf der gleichen Strecke waren erst im Januar 46 Menschen bei einer Zugkollision gestorben. Wegen der schweren Unfälle steht auch die Regierung des sozialistischen Regierungschefs Pedro Sánchez unter Druck.
Das bislang schwerste Zugunglück in Spanien hatte sich 2013 nahe der Pilgerstadt Santiago de Compostela ereignet. Damals starben 80 Menschen.
L.Bernardi--IM