Möglicher Pest-Todesfall in Russland: USA und WHO fordern Aufklärung
Nach Berichten über den Tod einer Labormitarbeiterin in Sibirien an den Folgen von Lungenpest drängen die USA und die WHO auf Aufklärung. "Wir haben die russische Regierung offiziell um weitere Informationen gebeten", sagte ein US-Außenamtssprecher am Dienstagabend. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor erklärt, er wolle in Kürze mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über das Thema sprechen. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) forderte von Moskau Transparenz in dem Fall.
"Ja, es ist ein Telefonat geplant", sagte Trump vor Journalisten im Weißen Haus auf die Frage, ob er mit Putin darüber gesprochen habe. Das Telefonat solle "sehr bald" stattfinden. Auf die Frage, was die US-Geheimdienste zur Lage sagten, fügte Trump hinzu: "Wir führen sehr eingehende Gespräche. Wahrscheinlich werden wir morgen darüber berichten können." Ein Außenamtssprecher erklärte später, die USA stünden in Kontakt mit anderen Ländern weltweit, um Informationen auszutauschen.
Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" übermittelte das US-Außenministerium Russland eine vertrauliche diplomatische Mitteilung - eine sogenannte Demarche. Darin wurde Moskau gewarnt, dass das Verschweigen von Einzelheiten seinen internationalen Verpflichtungen im Gesundheitsbereich zuwiderlaufe.
WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus drang ebenfalls auf Transparenz. "Ein zeitnaher, vollständiger und transparenter Informationsaustausch im Rahmen der internationalen Gesundheitsvorschriften ist unerlässlich, um widersprüchliche Berichte zu klären und eine genaue Einschätzung potenzieller Risiken für die öffentliche Gesundheit zu ermöglichen", erklärte er im Onlinedienst X.
Die WHO hatte die Pest-Gefahr in Irkutsk zuvor "auf Basis der verfügbaren Informationen" als moderat bis niedrig eingestuft. Für ganz Russland gesehen sei die Gefahr niedrig, für den Rest Europas sehr niedrig, sagte WHO-Sprecher Christian Lindmeier in Genf.
Russischen Medien zufolge war eine Laborarbeiterin des Forschungszentrums zur Pestbekämpfung in Irkutsk an Lungenpest gestorben. Die 28-Jährige hatte sich demnach mutmaßlich an ihrem Arbeitsplatz an einem zerbrochenen Reagenzglas mit der Krankheit infiziert. Der Nachrichtenwebsite "Menschen des Baikal" zufolge wurden rund 200 Kontaktpersonen der Laborantin unter Quarantäne gestellt.
Die Gesundheitsbehörde Rospotrebnadsor betonte dagegen am Dienstag, es sei "derzeit keine derartige Entscheidung getroffen worden". Die Gesundheitslage in der ostsibirischen Region sei "stabil".
Die Pest ist eine durch Bakterien ausgelöste Infektionskrankheit, die in verschiedenen Formen auftritt. Am ansteckendsten ist die Lungenpest. Sie kann zu Lungenversagen und zum Tode führen, wenn sie nicht im Frühstadium bekämpft wird.
F.Lecce--IM