Studie zu sexualisiertem Fehlverhalten: Pistorius erwartet besseren Opferschutz
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) erhofft sich von einer in Kürze erwarteten Studie zu sexualisiertem Fehlverhalten in der Bundeswehr einen besseren Opferschutz. Es gehe darum, "sicherzustellen, dass Frauen wie Männer sicher in dieser Bundeswehr arbeiten und ihren Dienst verrichten können", sagte Pistorius am Mittwoch im Bundestag. Es gehe zudem um die Rolle der Vorgesetzten auf allen Ebenen - "dass konsequent eingeschritten wird, nicht negiert wird, nicht verdrängt wird, nicht aus falscher Kameradschaft weggeschaut wird, sondern sehr konsequent durchgegriffen wird".
Das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) erforscht im Auftrag des Verteidigungsministeriums sexualisiertes Fehlverhalten im militärischen Alltag der Bundeswehr. Angeregt hatte die Studie die frühere Wehrbeauftragte Eva Högl bereits Ende 2024. Erst dieses Jahr, als der Skandal um die Zustände in der Fallschirmjäger-Kaserne in Zweibrücken öffentlich wurde, nahm das Projekt richtig Fahrt auf. Ergebnisse dieser so genannten Dunkelfeldstudie werden Ende des Jahres erwartet.
Ziel müsse es sein, auch mit Hilfe der Studie klar zu machen, "wo liegen die Verantwortlichkeiten, wo liegen die Mechanismen, wie weit können wir den Opferschutz wirklich so machen, dass die Opfer von sexualisiertem Fehlverhalten nicht am Ende noch von Karrierenachteilen betroffen sind", sagte Pistorius bei einer Regierungsbefragung im Parlament. Hier gehe es um die Menschenwürde, betonte der Minister. "Jeder Vorfall sexualisierten Fehlverhaltens, ganz egal auf welchem Level, ist einer zu viel."
Vorgesetzte und Betroffene sollten ermuntert werden, "sich auch an die unabhängigen Stellen zu wenden, den Wehrbeauftragten, andere Beauftragte oder das Ministerium, damit wir in jedem Einzelfall sicherstellen können, dass keine Nachteile erwachsen".
Die steigende Zahl von Meldungen über sexualisiertes Fehlverhalten bei der Truppe alarmiert die Bundeswehrführung. Nach Informationen des "Spiegel" wandte sich Generalinspekteur Carsten Breuer kürzlich in einem internen Tagesbefehl an alle Soldatinnen und Soldaten, sexualisiertes Fehlverhalten jeder Art dürfe in der Bundeswehr nicht toleriert werden.
Die Bundeswehr fasst unter dem Begriff des sexualisierten Fehlverhaltens alle Delikte gegen die sexuelle Selbstbestimmung zusammen – von anzüglichen Sex-Sprüchen, unziemlichen Annäherungen bis zu handfester sexualisierter Gewalt.
Nach "Spiegel"-Informationen deuten aktuelle Zahlen darauf hin, dass 2026 ein neuer Höchststand der Fallzahlen erreicht werden könnte. Im Jahr 2025 verzeichnete das Ministerium demnach 430 Meldungen, 2024 waren es 395, im Jahr zuvor 385.
C.P.Ajello--IM